Der Weg ist das Ziel

Wer schon versucht hat, längere Spaziergänge mit Kindern unter zehn zu unternehmen, weiß, dass sie nur möglich sind, wenn die Kinder genug Action haben. Nur gehen ist langweilig, auch wenn das Ziel eine Almwirtschaft mit verführerischen Eisbechern ist. Es gibt sicherlich die hartgesottenen Eltern, die die Ohren zuklappen, das Gejammere ausblenden und es irgendwie schaffen, den Spaziergang trotzdem zu genießen. Ich gehöre nicht dazu. Spätestens nach 5 Minuten trage ich ein Kind, oder sogar beide, um möglichst schnell wieder nach Hause zu kommen.

Wir Großen wollen immer möglichst weit kommen und haben eine Strecke vor Augen, die wir fertig gehen wollen.

Das geht nicht.

Es gibt aber auch Fußmärsche, die funktionieren, bei denen sogar mein kleiner Bauer eine Stunde locker selbst dahintrabt, als würde er dies schon seit Jahren machen: die Waldausflüge. Der Wald ist immer spannend. Man muss nur abseits der breit ausgefahrenen Wege unterwegs sein. Je schmäler, verwurzelter und moosbewachsener der Pfad, desto spannender und aufregender wird es für meine Kleinen. Wichtig ist der Blick für die Details, den man als Erwachsener oft verliert.

Viel interessanter ist es, sich zehn Minuten lang eine Ameisenstraße anzusehen, zu beobachten, was die kleinen Tierchen transportieren und sie vielleicht ein Stück des Weges zu begleiten. Es ist auch essentiell, Schätze des Waldes, wie zum Beispiel Zapfen, Schneckenhäuser oder besonders schöne Stöcke zu sammeln und als Trophäen mit nach Hause zu nehmen. Die kleine Elfenprinzessin kann minutenlang vor Bäumen mit Wurzelhöhlen ausharren, da sie davon überzeugt ist, dass winzige Waldelfen darin wohnen. Manchmal legen sich die Kinder ins Moos, um auszuprobieren, wie wohl die kleinen Rehlein hier schlafen mögen. Der kleine Bauer umarmt bei jedem Spaziergang besonders schöne Bäume und sagt: „Hallo Baum.“

eine mit Moos bewachsene Wurzelhöhle im Wald

Wunderbar ist der Wald auch bei Regenwetter. Das feuchtnasse Klima und der dadurch intensiver gewordene Waldgeruch scheinen eine Tiefenentspannung bei meinen Schätzchen und mir hervor zu rufen. – Ganz abgesehen von den riesigen Matschpfützen, die sich auf den Wegen sammeln. Das Springen und Treten in matschigen Pfützen bringt riesigen Spaß, und für fröhliche, entspannte Kinder nehme ich sogar ein von oben bis unten mit Dreck betoniertes Matschgewand in Kauf.

Wenn man es schafft, die geplanten Wege zu vergessen und sich auf die kleinen Naturwunder zu konzentrieren, die da draußen auf uns warten, dann kann ein Waldspaziergang mit Kindern auch für die Erwachsenen ein wunderschönes Erlebnis sein – auch wenn das bedeutet, dass man in Wahrheit in einer Stunde nur 500 Meter zurückgelegt hat.